Filmproduktion im Unternehmen

Heute möchte ich aus einem Nähkästchen plaudern. Aus einem, das mich seit 20 Jahren begleitet und mich viele Jahre auch ernährte. Dem Filmnähkästchen. Der Beitrag soll Dir in zwei Situationen helfen: entweder wenn Du einen Film machen möchtest, dafür aber kein großes Budget hast. Oder wenn von Dir jemand einen Film möchte – der Dir kein größeres Budget geben will.

In vielen Unternehmen hat es lange gedauert bis sich die Erkenntnis bis in die Führungsetage durchgesetzt hat: an Filmen kommen wir nicht mehr vorbei.

Heute erlebe ich täglich, dass für praktisch jedes Produkt – gleich welcher Art – Filme zur Erklärung oder Bewerbung eingesetzt werden. In diesem Beitrag geht es darum, wie Filme im Unternehmen selbst entstehen können. Wie verhaltet Ihr Euch, wenn Ihr um Unterstützung gebeten werdet? Wie geht Ihr vor, wenn Ihr selbst ein Projekt verantwortet und das Endergebnis möglichst gut intern oder auch extern vermarkten wollt und hierfür über Filme nachdenkt.

Du brauchst einen Film?

Wenn Du ein größeres Budget hast, wirst Du Dich sicher an eine Agentur wenden und mit dieser gemeinsam das Vorhaben besprechen und realisieren. Fein, da befindest Du Dich in einer guten Position. Oft benötigen Abteilungen jedoch VIELE Filme, haben dafür aber initial dafür kein Budget einbeplant. Dann ist Wissen, Können und Kreativität gefragt!

Vielfach herrscht auch die Meinung, dass jeder, der ein Smartphone hat, Filme machen kann. Das stimmt auch. Dennoch: ohne Know-how werden diese meist wackelig, unspezifisch, zu lang oder zu kurz, zu wenig ansprechend. Kurz: unbrauchbar, da weder begeisternd noch überzeugend. Woran liegt es? Das Smartphone kann 4K und hat einen prima Bildstabilisator. Die Antwort ist im Grunde sehr einfach.

Die Grafik zeigt die notwendigen Schritte der erfolgreichen Filmerstellung (Illustration: Hanns Gröner)
So entsteht ein guter Film (Illustration: Hanns Gröner)

Filme werden gut, wenn eine gute Geschichte mit guten Protagonisten gut erzählt, gefilmt geschnitten und montiert wird.

Filme werden „gut„, wenn eine „gute“ Geschichte mit „guten“ Protagonisten „gut“ erzählt, gefilmt, geschnitten und montiert wird.

Michael Pause, BR Moderator und Direktor des Bergfilmfestival Tegernsee

So einfach ist das. Besser kann man es kaum auf den Punkt bringen.

Wie gehe ich es an?

Der Produktionsablauf selbst kling einfach, verständlich und logisch. Im Grunde musst Du ihn nur kennen und leben. Als Auftraggeber schreibst Du alles auf, was Dir wichtig erscheint: worum es geht, wen Du erreichen willst, warum Du einen Film dafür benötigst, wer Deine Abteilung ist, wer den Film sehen soll und wozu usw. usw. Kurz die Kommunikationsziele. Diese Phase nenne ich Vorfeld. Das Ergebnis ist ein aufschlussreiches, weiterverarbeitbares Briefing. Wenn Dir das gelingt, hast Du schon fast gewonnen.

Die Grafik zeigt den typischen Ablauf einer Filmproduktion (Illustration: Hanns Gröner)
Die Grafik zeigt den typischen Ablauf einer Filmproduktion (Illustration: Hanns Gröner)

Konzeption

Auf Basis eines guten Briefings lässt sich ein filmisches Konzept erstellen. Dies ist so umfangreich wie nötig, um alle Beteiligten darüber zu informieren, wie der Film „funktionieren“ soll – sprich wie er aussieht. Die Konzeption beginnt mit einem Exposé oder Treatment und mündet in ein Drehbuch idealerweise verbunden mit einem Storyboard. Das Ergebnis ist ein kalkulationsfähiges und umsetzbares Skript.

Vorproduktion

Hier wird das Vorhaben geplant und organisiert. Benötigte Technik, sowie Personen vor und hinter der Kamera müssen wissen, wann sie wo sein sollen und was sie dort zu tun haben. Das Drehbuch ist das zentrale Dokument. Der Producer oder Produktionsleiter ist für die Planung und Organisation verantwortlich. Wichtig: Zeit ist Geld. Gut geplant ist halb gewonnen. Am Ende der Planungsarbeit ist soweit alles fertig und muss „nur“ noch gedreht werden.

Produktion

Heute gilt’s. Der Tag ist teuer. Räume, Set und Personen vor der Kamera müssen aus- und eingeleuchtet werden. Zuvor wird die ganze Technik zum Drehort gebracht. Vor dem Dreh wird noch einmal besprochen, was genau zu tun ist. Dann läuft die Kamera: und Action! Es wird einige Male neu angesetzt werden müssen, selten ist alles beim ersten, zweiten oder dritten Versuch im Kasten. Oft sind es auch mal zehn Takes oder mehr.

Wichtig zu wissen: Setumbauten oder Wechsel kosten Zeit (und Kraft). Catering nicht vergessen! Film ist auch körperliche Arbeit. Unterzucker ist schnell erreicht. Am Ende des Drehtages ist alles im Kasten, was zuvor geplant wurde. Das Rohmaterial wird an die Postproduktion übergeben.

Postproduktion

Nun entsteht der Film. Es wird geschnitten und montiert. Titel werden hinzugefügt, ebenso Effekte und Animationen. Oft werden aufwändige Farbkorrekturen verlangt, um dem Film den gewünschten Look zu verpassen. Wichtig ist auch der Ton. O-Töne werden angepasst, Voiceover, Musik und Effekte hinzugefügt. Dann geht der erste „Wurf“ an den Auftraggeber zur Abnahme. Rückmeldungen werden eingearbeitet bis alles passt. Fertig ist der Film!

Jemand will einen Film von DIR?

Das ist Dein großer Glücksmoment! Aber es ist Vorsicht geboten. Große Vorsicht! Denn nicht jeder der freundlich ist, ist auch Dein Freund! Als Filmemacher wirst Du einen Glücksmoment erleben, wenn Dir jemand „seinen“ Film anvertraut. Da ist man schnell dabei zu sagen, „klar, her damit, mache ich doch gerne!“. Und dann wird schnell hinterher geschoben, wann der Film denn fertig sei, denn es wäre doch etwas eilig. Fein! Jetzt wird’s spannend … Ist eigentlich schon klar, was genau gewünscht ist? Wird Dir vor einem umsetzbaren Briefing – siehe oben – schon ein zeitnaher Termin genannt? Dann sei Vorsichtig und frag mal nach, ob es ein Budget gibt, falls nötig! Könnte ja sein, dass Du einen Autoren, Kameramann, Cutter oder Sprecher beauftragen musst. Ohne Briefing und fertiges Konzept kannst Du das nicht einschätzen. Oder Du brauchst Musik. Sehr wahrscheinlich sogar – und das kostet auch Geld.

Also: wenn alles fair aufgesetzt ist, dann steht Dir zwar eine Menge Arbeit bevor aber Du kannst Freude daran haben und am Ende wird man Dir für Deine Unterstützung danken. Aber das ist – leider – nicht immer so! Oft wollen (sogenannte) Auftraggeber vor allem Zeit und Geld auf ihrer Seite sparen und suchen einen Dritten, an den Sie die Arbeit übergeben können. Im schlimmsten Fall geschieht das in sehr „selbstbewusster“ (gern auch unverschämter) Weise. Vorsicht! Denn wenn Du den kleinen Finger mal gegeben hast, ist dieser schnell weg! Oft zusammen mit der Hand und dem Unterarm.

Briefing und Konzept sind alles. Oft versprechen „Auftraggeber“ ein „Drehbuch“ zu liefern. Diese sind aber oft nicht das, was Du unter einem Drehbuch verstehst! Die Vorlagen sehen zwar auf den ersten Blick gut aus – zumindest für einen Dritten. Aber sie beinhalten ein Problem: sie sind nicht umsetzbar. Es ist vielmehr eine Art unvollständiges Briefing, das zudem oft unnötigerweise Inhalte vorgibt, die so weder nötig noch umsetzbar sind. Vieles was wichtig wäre und Hirnschmalz erfordert fehlt. Wenn Du es am Bein hast, wird es schnell zu Deinem Problem. Mein dringender Rat: schreibe zur Not ein Briefing und lege es dem „Auftraggeber“ zur Ergänzung vor. Darauf basierst Du die nötige Filmkonzeption. Diese planst Du zeitlich und räumlich bis Du das Gefühl hast, so könnte es funktionieren. Schief gehen kann dann immer noch was, aber Du hast immerhin einen Plan und kannst improvisieren.


Seit bald 20 Jahren beschäftige ich mich mit der Realisierung von Filmen rund um die Unternehmenskommunikation. Heute bin ich bei einem großen Finanzdienstleister in der Vertrieblichen Aus- und Weiterbildung tätig und entwickle in Erster Line E-Learnings und Filme für diverse Lernformate.

Hat Dir dieser Beitrag geholfen? Ich freue mich auf Deine Rückmeldung und beantworte gerne Deine Fragen!

Dreh in Moskau vor Hotel Ukraina
Dreh in Moskau vor Hotel Ukraina

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