Plötzlich Demenz

Wenn man es verkraftet hat, kommt da ganz viel schönes Leben raus“ – so zitiert das Vorwort einer Broschüre der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. eine Dame mit beginnender Demenz.

Was ist Demenz?

Demenz beschreibt die Medizin als einen Zustand, bei dem allmählich immer mehr Nervenzellen und Nervenzellkontakt zugrunde gehen. Dadurch werden Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens, der Orientierung und der Sprache zunehmend beeinträchtig. Veränderungen des Verhaltens und des Antriebs gehen oft mit der Erkrankung einher.

Was sind die Ursachen für Demenz?

Demenz-Erkrankungen können viele Ursachen haben. Die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit. Etwa 60% aller Demenzen werden durch die Alzheimer-Krankheit hervorgerufen. Es gibt verschiedene Formen der Demenz-Erkrankung (Vaskuläre Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz und Mischformen daraus).

Was sollte man tun?

Es ist sinnvoll und hilfreich bei ersten Symptomen seinen Hausarzt aufzusuchen und sich ggf. an einen Facharzt (Neurologie) überweisen lassen.

  • Frühzeitige Diagnose schafft Gewissheit
  • Man kann sich mit der Krankheit und ihren Folgen auseinander setzen
  • Man kann sich beraten lassen
  • Man kann seine Angehörigen und andere Bezugspersonen frühzeitig informieren
  • Man kann Vorsorge für sein weiteres Leben treffen
  • Man kann mit frühzeitiger Medikation die größte Wirksamkeit der Medikamente erreichen

Kann man Demenz behandeln?

Es gibt keine Medikamente, die eine Demenz-Erkrankung heilen können. Aber es gibt Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern und die geistige Leistungsfähigkeit für eine begrenzte Zeit stabilisieren. Diese bezeichnet man als Andidimentiva. Diese können Patienten mit einer Alzheimer-Demenz verschrieben werden.

Darüber hinaus gibt es Antidepressiva zur Behandlung von Depression oder Antriebsschwächen und Neuroleptika zur Behandlung von Unruhe, Ängsten oder Sinnestäuschungen. Letztere haben oft starke Nebenwirkungen und verschlechtern die geistige Leistungsfähigkeit.

Gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten?

Zum Erhalt von Alltagsfähigkeiten und der Selbständigkeit können Physiotherapie (Krankengymnastik), Ergotherapie und Logopädie (bei Sprachbeeinträchtigungen) verordnet werden. Musiktherapie, Kunsttherapie, Erinnerungsarbeit oder Sportangebote können sich positiv auf Verbesserung der Stimmung, Verminderung von Unruhe, Verbesserung der Gedächtnisleistung und Orientierung, Förderung vorhandener Fähigkeiten, Erhöhung der Lebensqualität auswirken.

Darüber hinaus ist es wichtig, geistig, körperlich und sozial aktiv zu bleiben. Die Ernährung sollte ausgewogen sein und viel Obst und Gemüse beinhalten.

Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes sollten behandelt werden – dies kann sich ebenfalls positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Außerdem gibt es Rehabilitationen, die sich an Menschen mit Demenz im frühen Stadium und ihre Angehörigen richten. Dadurch kann man lernen, sich besser im Alltag zurecht zu finden. Angehörige erhalten Hilfestellung um besser mit der häuslichen Situation und ihrer eigenen Belastung umzugehen.

Listen von Alzheimer-Therapiezentren und anderen Einrichtungen erhalten Sie von der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Kontakt siehe unten).

Wie kann man mit der Diagnose umgehen?

Wer die Diagnose Demenz erhält, reagiert wahrscheinlich aufgewühlt, traurig oder auch wütend. Vielleicht auch nur ratos, hilflos oder ohnmächtig. Und man wird sich fragen, ob und wem man von der Diagnose erzählen soll.

Zitat eines Erfahrungsberichts:
„Meine jetzige Ruhe, das hat lange gedauert. Das gebe ich ehrlich zu. Also, wenn jemand fragt, wie macht man das, dann kann man erstmal sagen, das dauert bis man alles verarbeitet hat. […] der Schritt meinen Freunden erstmal zu sagen, was mit mir los is’ und so weiter, das hat sehr viel gebracht.“ (Herr Georg, zitiert aus Masterarbeit vonGabriele Baumert-Pietrzinski, S. 123, veröffentlicht in der Informationsbroschüre „Was kann ich tun?“ der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. )

 

Bekannt ist, dass eine Demenzerkrankung viele Veränderungen mit sich bringt. Der oder die Erkrankte braucht Menschen, denen er oder sie vertrauen kann! Es kann sein, dass erkrankte Namen oder Geburtstage vergessen, vielleicht auch Verabredungen und anderes. Daher sollten Menschen im Umfeld von der Erkrankung wissen, um Missverständnisse zu vermeiden und um Verständnis zu entwickeln.

Tipps zum Umgang mit Demenz:

  • Sprechen Sie mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind und nahe stehen
  • Wenden Sie sich an eine Alzheimer Gesellschaft oder eine andere Demenz-Beratungsstelle
  • Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus
  • Nutzen Sie Gedächtnisstützen (Wochenplan, Erinnerungsfunktion auf dem Handy)
  • Strukturieren Sie Ihren Alltag
  • Schaffen Sie feste Plätze für wichtige Dinge (Brille, Schlüssel, Geldbeutel … )
  • Vereinfachen Sie sich den Alltag (einfache Kochrezepte, gemeinsam mit Angehörigen kochen, Essen auf Rädern, Telefon mit großen Tasten, verkleinern des Hausrats … )
  • Sorgen Sie für Sicherheit (gute Beleuchtung der Wohnung, rutschfester Bodenbelag, Stolperfallen beseitigen, regelmäßige Telefonate mit vertrauter Person, Nutzung eines Hausnotruf-Systems … )
  • Aktiv Freizeit gestalten
  • Über die Krankheit informieren
  • Mobil bleiben auch ohne Auto
  • Machen Sie Urlaube
  • Treffen Sie Vorsorge (Vorsorge-Vollmacht, Betreuungsverfügung, rechtliche Betreuung, Patienten-Verfügung, Testament … ). Wichtig: lassen Sie sich von Fachleuten beraten

Wie geht es finanziell weiter?

Für Berufstätige bedeutet eine Demenz nicht automatisch eine sofortige Berufsaufgabe. Oft kann der Aufgabenbereich verändert oder andere Maßnahmen getroffen werden wie die Verkürzung der Arbeitszeit.

Wichtig: man sollte sofort nach Bekanntwerden einen Schwerbehindertenausweis beantragen! Damit gilt ein besonderer Kündigungsschutz.

Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Diese ist über die Krankenkasse erreichbar. Nach Antragstellung erfolgt ein Besuch eines Gutachters des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Wichtig: bereiten Sie dieses Gespräch gut vor! Fragen Sie sich, was der Pflegebedürftige selbst machen kann und wofür er Hilfe benötigt. Bereiten Sie Arztbriefe etc. vor. Hilfreich ist es, vor dem MDK Besuch einen Facharzt (Neurologie) zu konsultieren! Einige Tipps finden Sie natürlich im Internet z. B. hier. Die Einschätzung des Gutachters ist die Grundlage für die Einstufung des Pflegegrades durch die Pflegekasse. Diese wiederum ist ausschlaggebend für die Höhe der Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Darüber hinaus können Leistungen aus der Sozialhilfe bezogen werden. Ein entsprechender Antrag ist beim Sozialamt zu stellen.

Was tun wenn es schwierig wird?

Informieren Sie sich über Unterstützungs-Angebote durch die Alzheimer-Gesellschaft. Pflegestützpunkte beraten rund um das Thema Pflege. Wohnraum-Beratungsstellen beraten über mögliche Veränderungen der Wohnung. Auch Nachbarschaftshilfen oder Alltagsassistenzen können eine Anlaufstelle für tägliche Besorgungen, Behördengänge oder ähnliches sein.


Das Thema Demenz und Pflege ist äußerst komplex. Medizinisch gesehen können neben der Demenz an sich auch andere Erkrankungen eine Rolle spielen (z. B. Depression).

Aus eigener Erfahrung in der Familie kann ich nur dazu raten, frühzeitig den Hausarzt aufzusuchen und die alle wichtigen Dine in Ruhe aber konsequent in die Wege zu leiten!

Häufig erfolgt dies nicht zeitnah was die Regelung, oft durch akute Vorfälle ausgelöst, erheblich erschweren kann.

Eine erste gute Informationsquelle finden Sie hier.


Quelle: Informationsbroschüre der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Kontakt: info@deutschealzheimer.de

Telefon: 030 – 259 37 95 -14


Weiterführende Informationen:

Allianz

1890 Allianz Magazin „Pflegefall“ (Link zum Magazin)

1890 Allianz Magazin „Schwerpunkt Demenz: Ist es schon heute“ (Link zum Magazin)

1890 Allianz Magazin App (Link zum App Store)

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Link)

Broschüren

Initiative Demenzpartner (Link)

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