Nasenpolypen entfernen

Nach vielen Jahren habe ich mich zur Entfernung der Nasenpolypen durch einen operativen Eingriff entschieden. Um anderen Betroffenen eine Entscheidungshilfe zu bieten, teile ich meine Erfahrungen in diesem Beitrag.

Verlauf der Beschwerden

Ich plage mich schon seit einigen Jahren mit einer erschwerten Nasenatmung. Vor allem während des Übergangs in die kalte Jahreszeit machte mir diese Situation zu schaffen. Um die Atmung zu erleichtern, hatte mir mein HNO Arzt immer wieder kortisonhaltiges Nasenspray (Budes oder ähnlich) verschrieben und darauf hingewiesen, dass ich früher oder später um einen operativen Eingriff nicht herum kommen werde.

Im Herbst 2019 kamen verschiedene Faktoren zusammen, die mich dazu bewegten, mich für die OP im Januar 2020 zu entscheiden. Zudem sprach sich mein HNO Arzt deutlich für den operativen Eingriff aus.

Verlauf der OP

Die OP wurde mit einem Vorlauf von rund sechs Wochen in einer Klinik in München geplant (Gärtnerklinik). Mein HNO Arzt verfügt über Belegbetten. In der Woche vor der OP wurde durch den Hausarzt die notwendigen Voruntersuchungen durchgeführt. Am Freitag vor der OP fand das Anästhesiegespräch statt.

Eine Bitte in eigener Sache: seid doch bitte so nett und hinterlasst einen Kommentar ob Euch dieser Beitrag geholfen hat. Gerne eine Wertung zwischen 1 (überhaupt nicht hilfreich) bis 10 (sehr hilfreich). Auch über Fragen oder Hinweise, welche Informationen Euch helfen würden, freue ich mich. Danke!

Tag 1 – Montag

Um 7:00 Uhr bin ich zum Check-in einbestellt. Ich beziehe mein Zimmer, ziehe den OP Kittel an und werden kurz darauf abgeholt und in den OP Bereich gebracht. Dort bekomme ich von der Narkoseärztin einen Piks in den Arm um kurz vor Beginn der OP in den Schlaf versetzt zu werden (Intubationsnarkose). „Jetzt geht es los“ höre ich die Anästhesistin sagen, spüre den benebelnden Zustand und falle nach wenigen Sekdunden in Schlaf. Die OP dauert etwa 30 – 40 Minuten und erfolgt mit Endoskop durch die Nase. Im Aufwachraum werde ich wach und habe stark niedrigen Blutdruck. Der Kreislauf wird stabilisiert.

Gegen Mittag werde ich auf die Station gefahren. Dort habe ich ein angenehmes Einzelzimmer.

Tipp:

ein Zweibett- oder Einzelzimmer kostet am Tag ca. 100 Euro und erscheint damit – auch ohne Krankenzusatzversicherung – verfügbar und bezahlbar (für Kassenpatienten).

Die Nase ist nach der OP für mehrere Tage kompett „zu“. Nasenatmung ist also nicht möglich. Das erschwert das Reden und strengt an. Auch die Nachwirkungen der Narkose halten mich weiter recht müde. Ich schlafe viel, in der Nacht allerdings eher schlecht. Abends bekomme ich noch Besuch von meinem Sohn und freue mich sehr. Das Unterhalten funktioniert ebenso wie Mittag- und Abendessen.

Tag 2 – Dienstag

Die Nase ist „gefüllt“ mit Tamponaden und erscheint dadurch etwas „dicker“. Am Gesicht selbst sieht man von der OP praktisch nichts (keine blauen Flecken etc.). Nur die Fäden sind außen an der Nase mit Pflaster „angeklebt“. Die Nase ist weiterhin komplett „zu“. Sprechen strengt nach wie vor an, Fernsehen ist gut möglich. Unterhalb der Nase habe ich nach wie vor eine „Nasenschleuder“ – eine Art Tampon quer unter der Nase, dermit Verbandsmaterial an den Ohren befestigt ist. Damit soll aus der Nase laufendes Sekret aufgefangen werden, so dass es nicht auf Bett oder Kleidung tropft. Solch eine Blutung tritt aber nur marginal auf.

Tag 3 – Mittwoch

Heute ist die Entlassung aus dem Krankenhaus geplant. Zuvor müssen die Tamponaden entfernt werden. Dazu werde ich in die Ambulanz gerufen. Das Entfernen der Tamponaden ist etwas unangenehm aber nicht schmerzhaft. Ein leichtes Ziehen, dann ein „Plopp“ und das „Zeug“ ist raus. Sehr gewöhnungsbedürftig und auch unangenehm ist das „Schneuzverbot“ für mindestens eine Woche (oder sogar länger). Die Nase läuft immer wieder aber man darf sie nicht „putzen“. Das kitzelt und „nervt“. Aber dramatisch ist es auch nicht. Kurz vor Verlassen der Klinik bitte ich in der Ambulanz noch einmal, das gefühlte Sekret abzusaugen. Auch das Absagen ist nicht besonders angenehm aber schmerzlos.

Wichtig ist nun die Nase täglich mit der Augen- und Nasensalbe innerlich zu behandeln und weich zu halten. Das sich bildende Sekret und die hochzuziehende Salbe führen dazu, dass man die neue freie Atmung noch nicht so richtig genießen kann (weil sie eben noch stark eingeschränkt ist).

Tag 4 – Donnerstag

Ab heute bin ich jeden Tag zur Nachsorge in meine HNO Praxis einbestellt. Die Termine sind früh am Morgen. Der Arzt holt mit den üblichen „Geräten“ (leihenhaft würde ich sie „Röhrchen“ nennen) Sekret und Blutpfropfen aus der Nase. Auch dies ist eher unangenehm als schmerzhaft.

Außerdem werden heute die Schienen entfernt. Diese (laihenhaft würde ich sie als Plastikeinsätze bezeichnen) spüre ich bisher in der Nase nur leicht. Nach dem Entfernen ist das „Nasengefühl“ allerdings deutlich „freier“ und angenehmer.

Die Nase spüle ich seit heute zwei Mal täglich mit einer Salzlösung. Aus früheren Yogaunterrichten habe ich dazu noch ein Netikännchen. Das Wasser wird in dabei in das eine Nasenloch eingebracht, so dass es bei über dem Waschbecken schräg gehaltenem Kopf durch das andere Nasenloch wieder herausläuft. Für viele unvorstellbar. Funktioniert aber gut und ist halb so wild. Einfach durch den Mund weiter atmen.

Tag 5 – Freitag

Der heutige Kontrolltermin ist am Nachmittag. Ich spüre eine Verschlechterung des Allgemeinzustands, leichte Benommenheit und erhöhte Temperatur. Vermutet wird ein Infekt. Unklar allerdings, ob dieser mit der OP zusammen hängt oder sich unabhängig davon eingeschlichen hat. Als Gegenmaßnahme bekomme ich Antibiotika verschrieben. Ansonsten werden Sekret und sonsiges, was nicht in die Nase gehört, wie an den Tagen zuvor abgesaugt.

Ich hole in der Apotheke das Antibiotikum und beginne noch am selben Tag mit der Einnahme.

Tag 6 – Samstag

Auch heute steht die Kontrolle mit den üblichen Maßnahmen (Absaugen von Absonderungen) an. Ich schleppe mich gefühlt mit letzter Kraft in die Praxis, fühle mich schlapp und fiebrig ohne Fieber oder auch nur Temperatur zu haben. Mütze, Schal bis zu den Augen, drei Jacken sind gerade ausreichend um nicht gefühlt zu erfrieren. In den Nachrichten ist von Coronaviren (aus China) und der heimischen Grippe (Influenza) die Rede. Als Gegenmaßnahme bekomme ich Matypred (Kortison) verschrieben, das ich ab nun zwei Mal täglich einnehme. Schon am Nachmittag stellt sich, nach längerem Schlaf, deutliche Verbesserung ein.

Tag 7 – Sonntag

Heute keine Kontrolle. Die infektbedingten Beschwerden bessern sich. Zweimal täglich Nasenspülung und Behandlung mit Nasenchreme.

Tag 8 – Montag

Früh am Morgen wieder zur täglichen Kontrolle. Laut HNO konnte der Infekt noch „abgefangen“ werden. Medikamente sind natürlich weiter zu nehmen. Aus der Nase (rechte Seite) wird ein verkrustetes Stück entfernt. Erst leicht gelöst und dann entnommen. Wie immer: leicht unangenehm aber schmerzfrei. Morgen ist die andere Seite dran.

Tag 9 – Dienstag

Besuch beim Arzt zur Entfernung von Sekret. Naseputzen sollte ich nach wie vor nicht. Ich helfe mir mit mehrmals täglicher Nasenspülung. Sehr zu empfehlen!

Tag 10 – Mittwoch

Wie Tag 9. Täglich zwei bis drei Mal spüle ich mit Salzwasser die Nase und spüre ständige Besserung.

Tag 13 – Samstag

Nächster Besuch beim Arzt. Wie gewohnt wird mit dem Röhrchen etwas Sekret abgesaugt. Skifahren oder Sport treiben sollte ich weitere zwei Wochen nicht. Insgesamt sollte man also vier Wochen nach der OP pausieren um Anstrengung und kalte Luft zu vermeiden.

… auch die nächsten Tag steht täglich „Nasenspülung“ (mit dem Neti-Kännchen) sowie einchremen mit der Bepanthen Nasensalbe an. Alles soll möglichst weich gehalten werden, damit sich keine Krusten bilden bzw. diese sich lösen und ausgespült werden. Sport, Anstrengung, Flugreisen soll ich bis mind. 4 Wochen nach der OP vermeiden …

6. Woche nach der OP

Heute beginnt die zweite Phase. Es geht nun darum, zu vermeiden, dass sich Krusten bilden bzw. die gebildeten Krusten zu entfernen. Die Behandlung erfolgt weiterhin mit der Nasensalbe, Nasenspülung sowie einem ab jetzt verordneten Nasenspray (Mometasonfuroat). Die nächste Nachsorge ist in 4 Wochen geplant.

Fazit

Die OP ist schmerz- und komplikationsfrei verlaufen wenn man von dem Kreislaufkollaps im Aufwachraum absieht. Die Nachsorge ist ebenfalls schmerzfrei und sehr wichtig. Naseputzen (schneuzen) muss man lange Zeit vermeiden. Tägliche Pflege mit Nasenspülung und Salbe ist sehr wichtig. Ebenso die häufigen Arztbesuche zur Nachsorge. Schon nach wenigen Tagen macht sich eine deutlich einfachere Atmung angenehm bemerkbar. Ich würde mich wieder für diesen Eingriff entscheiden.

Wer näheres Wissen möchte, kann mich gerne kontaktieren. Es liegt mir fern, das sei noch einmal gesagt, hier irgendeine Form der Werbung zu machen! Es geht ausschließlich darum, Erfahrungen zu teilen um Betroffenen eine Entscheidungshilfe zu bieten. Ich war auch mit meinem operierenden Arzt sehr zufrieden und kann bei Bedarf gerne den Kontakt nennen.

Update vom 18. Oktober 2020:

Heute, rund 9 Monate nach der Operation und etwa ein Jahr nach der Entscheidung, diese durchführen zu lassen, erlebe ich nach wie vor eine deutlich verbesserte Nasenatmung und eine verbesserte Lebensqualität. Auch die heutige Nachuntersuchung bestätigt, dass die Polypen entfernt sind und die Heilung gut verlaufen ist.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Meintschel sagt:

    Und was ist nun das Fazit? Sind die Polypen weg? Ist die Atmung besser? Diese Aussagen fehlen mir in dem Beitrag..

    1. hannsgroener sagt:

      Danke für Ihren Kommentar. Sehr gerne habe ich hier persönliche Informationen weiter gegeben, um anderen ähnlich betroffenen eine Entscheidungshilfe zu geben. Ob „die Polypen weg“ sind, kann ich aus nachvollziehbaren Gründen so nicht beantworten. Die Atmung ist deutlich besser. Diese Aussage war bereits im Fazit enthalten. Da eine Langzeitbeobachtung sicher sinnvoll ist, habe ich das Fazit heute aktualisiert.

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