Spaziergang durch Venedig 2020

Eine der schwierigsten Aufgaben in Venedig dürfte es sein, einen einmal gefundenen Weg ein zweites Mal wieder zu finden. Zumindest Gasse für Gasse. Vielleicht habe ich auch eine schlechte Orientierung. Möglich – aber dafür entdecke ich auch immer wieder etwas Neues in dieser einzigartig schönen Stadt. Neue Aussichten, neue Lokale, neue Plätze zum Verweilen. Das schöne daran: nicht alle Ecken Venedigs sind so voll, heiß und stickig wie man oft meint oder in Erinnerung hat. Komm einfach mit und erlebe Venedig immer wieder neu.

Von Punta Sabbioni zum Lido (S.M.E.)

Ich starte am Ableger Punta Sabbioni ganz im Westen der Landzunge von Cavallino. Dieser kleine Haften ist von Jesolo als auch den zahlreichen Campingplätzen entlang der Strände von Cavallino-Treporti bestens mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Bus erreichbar. Es gibt jede Menge Parkplätze, viele davon überdacht.

Die Wasserbusse (Vaporetti) der Linie 14 fahren tagsüber alle halbe Stunde über Lido S.M.E. nach San Marco -San Zaccaria. Für den hier beschriebenen Spaziergang ist es allerdings wichtig, schon am Lido auszusteigen und von hier mit der Linie 1 Richtung Piazzale Roma weiter zu fahren.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Lido di Venzia S.M.E. im August 2020 (Foto: Hanns Gröner)

Wer Zeit und Lust hat, am Lido zu verweilen, findet hier viele gute Gründe für einen Zwischenstopp. Direkt vom Hafen aus führt die Granviale Santa Maria Elisabetta zur anderen Seite der Insel ans Meer. Auf dem Weg dorthin kommt man an zahlreichen Läden, Shops und Lokalen vorbei.

Ich belasse es bei einem Cappuccino in der Bar gleich schräg gegenüber des Hafens. So günstig wird man nur selten eine Cappu serviert bekommen: Kosten 2020 = 1,50 Euro.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
die Bar gegenüber dem Hafen von Venezia Lido S.M.E. im August 2020 (Foto: Hanns Gröner)

Vom Lido (S.M.E.) nach Sant’Elena

Mit der Linie 1 Richtung Piazzale Roma fahre ich weiter zur nächsten Haltestelle. In knapp fünf Minuten erreiche ich den Anleger von Sant’Elena. Hier steige ich aus und genieße die Ruhe unter schattigen Bäumen und erste Blick entlang der Dirretissima hinüber zu San Giorgio und San Marco. Hierhin verlieren sich eher wenige Touristen. Durch den Park und über eine Brücke laufe ich zur nächsten Anlegestelle „Giardini Biennale“.

In der Nähe des Bootsanleger (Giardini Biennale) befindet sich der Eingang zur weltberühmten Kunstausstellung und ein Pavillion für einen kleinen Snack zwischendurch. Da es bereits kurz vor halb sieben ist, entscheide ich mich für die Weiterfahrt und ein Abendessen in der Stadt.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig – Pavillion nahe der Biennale im August 2020 (Foto: Hanns Gröner)

Vom Giardini Biennale nach Salute

Vom Ableger Giardini Biennale fahre ich mit der Linie 1 weiter Richtung San Marco und Piazzale Roma. Die Linie 1 kann man sich übrigens merken. Mit ihr kommt man vom einen Ende der Stadt zum anderen. Dazwischen liegen zahlreiche Haltestellen um all die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Rialtobrücke, Dogenpalast und Markusplatz zu erreichen.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 (Foto: Hanns Gröner)

Die Fahrt mit dem Wasserbus entlang der Serenissima hinterlässt zwei fast widersprüchliche Eindrücke. Es sind deutlich weniger Schiffe unterwegs als sonst üblich um diese Jahreszeit. Auch auf der Promenade entlang der Lagune ist deutlich weniger los. Es herrscht eine eher ungewöhnliche Stille. Es ist nicht so, dass ich Rummel und Trubel in der Tat vermissen würde. Dennoch wirkt es für venezianische Verhältnisse sehr ungewohnt und fast schon gespenstisch. Jedenfalls ist der Eindruck zu Coronazeiten ein gänzlich anderer als in all den Jahren zuvor.

Vendig im August 2020 – San Marco, Dogenpalast und ganz versteckt die Seufzerbrücke (Foto: Hanns Gröner)

Ich genieße die Aussicht vom Schiff auf die wunderbaren Bauwerke rund um den Dogenpalast und San Marco. Bleibt einfach auf dem Schiff und fahrt weiter bis zum Anleger Salute direkt an der gleichnamigen Kirche und gegenüber von San Marco.

Von Salute über Accademia nach San Marco

Ich gehe diesen Weg heute auch zum ersten Mal. Es kann zwar immer mal passieren, dass man in einer Sackgasse landet aber mit ein wenig Orientierung und Google Maps kommt man problemlos dort hin wo man möchte.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 – Santa Maria della Salute (Foto: Hanns Gröner)

Aber der Reihe nach. Der Platz um die Salute-Kirche lädt zum verweilen ein. Wann hat man diesen schon fast ganz alleine für sich? Ein paar Meter weiter in Richtung Lagune hat man einen tollen Blick auf San Marco und San Giorgio sowie entlang der Promenade bis nach Sant’Elena. Mein Spaziergang führt in die andere Richtung zu einem meiner Lieblingslokale.

Das Ai Cugnai dal 1911 (S. Vio 857) habe ich letztes Jahr auf einem Spaziergang entdeckt. Wie immer auf der Suche nach den leckeren Spaghetti al nero di Sepia. Auch hier schmecken diese besonders gut und es gibt leckeres Tiramisu. Das kleine Lokal ist klimatisiert und hat einen kleinen schattigen Innenhof.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig 2020 – Spaghetti al nero die Spia im Ai Cugnai (Foto: Hanns Gröner)

Ein Wort zu den Restaurants in Venedig. Es gab eine Zeit, da gerieten diese pauschal in die Kritik. Überteuert und nicht immer beste Qualität. Auch ich habe eine nennenswerte Abneigung gegen Touristennepp. Ob es solche Lokale heute noch gibt, weiß ich nicht aber man darf es vermuten. Mir scheint aber, dass sich hier einiges zum Besseren verändert hat. Für den touristischen Durchschnittsgeschmack gibt es das mehr oder weniger normierte „menu touristico“ zum vergleichbaren Preis. Die venezianische Küche bietet darüber hinaus aber ein derart großes und leckeres Angebot, dass es fast ein wenig schade wäre, sich mit Schnitzel und Spaghetti Napoli zu begnügen. Ich kann nur dazu ermuntern, den Venedigaufenthalt dazu zu nutzen, um ein paar der erlebenserten Restaurants und Gerichte kennen zu lernen. Ein Beispiel sind die schwarzen Spaghetti (nur echt, wenn die Soße schwarz ist – nich die Nudeln selbst!).

Weiter nach San Marco

Gestärkt mache ich mich auf dem Weg zur Ponte dell’Accademia und weiter Richtung San Marco. In dieser Ecke war ich selbst noch nicht oft unterwegs oder habe diese nur am Rande gestriffen. Die Accademia als auch die Salute-Kirche zählen zwar durchaus zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten Venedigs – es verlieren sich hierhin allerdings deutlich weniger Menschen als auf den Trampelpfad zwischen San Marco und Rialto (und zurück). Ja, auch diesen sollte man einmal abgewandert sein – damit man ihn gesehen hat. Schöner und ruhiger sind allerdings andere Wege. Wie dieser hier.

Über die schöne, breite Ponte dell’Accademia gelangt man vom Stadtteil Dorsoduro über den Canal Grande nach San Marco. Sie lädt zum Verweilen und Fotografieren ein, bevor man wieder eintaucht in die Gassen und Plätze des Stadtteils San Marco.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 – Blick von der Ponte dell’Accademia auf den Canal Grande und Salute (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 – Blick von der Ponte dell’Accademia in Richtung Rialto (Foto: Hanns Gröner)

San Marco ist der Stadtteil Venedigs mit den meisten bekannten Sehenswürdigkeiten: hier findet man den gleichnamigen Platz mit der Kirche San Marco und dem von weitem erkennbaren Glockturm, den Dogenpalast, die Seufzerbrücke und die Rialtobrücke. Eine Komposition an kaum überbotener Schönheit und weniger als 30 Minuten Fußweg voneinander entfernt.

Über wenig frequentierte Plätze und durch schmale Gassen laufe ich weiter bis ich nach wenigen Minuten die Calle Larga XXII Marzo erreiche. Hier findet man, was in der Modewelt Rang und Namen hat: Armani, Burberry, Chanel, Dolce & Gabbana, Gucci, Ferragamo usw. Und hier befindet sich auch das bekannte Restaurant La Caravella.

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 – Restaurant La Caravella (Foto: Hanns Gröner)

Diesem Restraurant und meinem Vater verdanke ich die ersten „schwarzen Spaghetti“ in meinem Leben. Der Anblick kostete mich vor rund 35 Jahren einiges an Überwindung – der Geschmack aber ist und bleibt ein Gedicht. Und bis heute sind Spaghetti al nero di Sepia eine Rarität geblieben. In Venedig findet man zahlreiche Lokale, in denen man sie bekommt. Außerhalb der Stad wird es schwierig. Neben der einzigartigen Schönheit der Stadt – vor allem natürlich für Filmer und Fotografen – zieht mich dieses Gericht immer wieder hier her.

Danke Papa! Auch wenn Du das hier nicht mehr lesen kannst.

Über die Ponte S. Moisé gehe ich weiter in Richtung Piazza San Marco. Rechts nach der Brücke befindet sich ein ebenfalls erwähnenswertes Gebäude: das Hotel Bauer. Erwähnenswert deshalb, weil es mit seinem 1960er Jahrecharme so überhaupt und ganz und gar nicht hier hin passt. Schnell weiter und nein, es gibt davon kein Foto! Wer es sehen will, muss googeln oder selbst hinfahren.

Piazza San Marco

Venedig & Cavallino 2020 (Foto: Hanns Gröner)
Venedig im August 2020 – Piazza San Marco (Foto: Hanns Gröner)

Gegen 20 Uhr erreiche ich San Marco. Dank „Corona“ muss oder kann man sich diesen ansonsten stark besuchten Platz mit nur wenigen anderen Besuchern teilen. In den Cafes spielt die Musik. Die Fassade der San Marco Kirche erstrahlt nach Jahren der Restauration in schönstem Glanz. Ein Platz zum Genießen und Verweilen. Und natürlich zum Fotografieren!

Ponte di Rialto

Der Platz ist ein Genuss. Man kann sich hier Stunden lang aufhalten und immer Neues entdecken. Es wird aber langsam dunkel und ein Highlight fehlt ja noch: die Rialtobrücke. Laut Google Maps ist die Brücke in weniger als 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Ich hätte den Weg etwas länger geschätzt – bin ihn aber schon lange nicht mehr gelaufen. Dort ist Venedig nämlich vor allem eines: voll. Und eng. Auch schön.

Ich nehme lieber den Wasserbus. Also laufe ich am Dogenpalast entlang und halte mich danach rechts bis ich den Ableger San Marco Vallaresso erreiche. Von hier nehme ich die Linie 1 Richtung Piazzale Roma.

Das Schiff gleitet gemächlich den Canal Grande hinauf vorbei an all den vielen schönen Häusern und Palästen. Einfach schön. Und nach einer guten viertel Stunde Bootsfahrt erreiche ich: Rialto. Immer wieder schön.

Venedig im August 2020 – Rialtobrücke (Video: Hanns Gröner)

Inzwischen ist es 21 Uhr. In vier Stunden habe ich viel die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erfahren, erlaufen und erlebt. Ohne Hektik, ohne Stress und ohne Menschenmassen. Und mit viel Vorfreude auf das nächste Mal. Denn die Seufzerbrücke habe ich dieses Mal ausgelassen. Seufz.

Tipps für Venedig

  1. Fahrt mit dem Schiff ab Punta Sabbioni. Parkplätze kosten hier zwischen 5 und 10 Euro (ganzer Tag). Die Autofahrt zur Piazzale Roma oder nach Tronchetto lohnt sich nicht. Schon gar nicht, wenn man um die ganze Lagune herum fahren muss. Das Parken dürfte dort deutlich teurer sein (ich habe es zuletzt 1995 ausprobiert).
  2. Wenn Ihr auf Museen und Kirchen von innen verzichten könnt, fahrt erst am Nachmittag hin.
  3. Steigt am Lido aus und fahrt von dort mit der Linie 1 weiter. Sucht Euch unterwegs eine Ausstiegsstelle, die Euch zusagt und lasst Euch durch die Gassen treiben. Der Weg hin zum Markusplatz ist immer schöner als von ihm weg.
  4. Die Aussicht vom Glockenturm San Giorgio ist wunderschön und nicht so bekannt und frequentiert wie von San Marco. Aber auch von dort ist die Aussicht toll. Früh dort sein lohnt sich.
  5. Ein Tagesticket (24h) kostet 20 Euro (im Jahr 2020 und seit Jahren gleich). Damit erspart Ihr Euch immer wieder ein neues Ticket zu lösen und könnt kreuz und quer mit den Wasserbussen fahren. Achtung: die Wassertaxis und Gondeln sind hier nicht inbegriffen!
  6. Wer das Tagesticket am Nachmittag kauft, kann damit auch am Folgetag nochmal nach Venedig fahren. Die Stimmung am Morgen lohnt sich! Ein ganzer Tag von früh bis spät kann sehr lang und anstrengend sein. Zweit Tage mit tollen Restaurantbesuchen dagegen ein Genuss.
  7. Auch die Laguneninseln Murano, Burano und Torcello sind sehenswert (und im Tagesticket inbegriffen).
  8. Auch ab Treporti kann man mit dem Schiff nach Venedig fahren. Die Schiffe von hier fahren eine andere Route und erreichen Venedig auf der nördlichen, weniger schönen Seite (F.te Nove).
  9. Legt einen oder zwei Zwischenstopps am Lido ein und genießt die Atmosphäre dort (z. B. auf der Hinfahrt für einen Cappuccino oder auf der Rückfahrt ein Abendessen).
  10. Entdeckt Euer Venedig. Es gibt so viele schöne Ecken, an denen nicht jeder vorbeikommt. Einfach ausprobieren. Auch wenn man mal in einer Sackgasse landet.
Vendig im August 2020 – Salute Kirche (Foto: Hanns Gröner)

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