Traumstraßen Europas – #01 Die Großglockner Hochalpenstraße

Sie gilt als eine der schönsten und spektakulärsten Straßen Europas. Dabei ist die Großglockner Hochalpenstraße nicht einfach nur eine Verbindungstraße zur Überquerung der Alpen – sie ist ein unvergessliches Erlebnis mit zahlreichen Attraktionen.

Vor wenigen Tagen habe ich schon über die Rückfahrt von Kärnten nach München über die Hochalpenstraße geschrieben. Leider hatten wir schlechtes Wetter und dadurch weder den den Blick auf den Großglockner genießen können noch die Aussicht von der Edelweißspitze. Diese Tour hat in mir den Wunsch geweckt so bald wie möglich – bei dann beserer Sicht – noch einmal hierher zu kommen. Und es hat sich vollauf gelohnt.

Großglockner (Foto: Hanns Gröner)
Der Großglockner von der Kaiser-Franz-Josef-Höhe (Foto: Hanns Gröner)

Los geht’s

Gegen 10 Uhr fahre ich in München los. Die Wettervorhersage für heute ist ein Mix aus Sonne und Wolken. Für morgen ist blauer Himmel vorhergesagt. Perfekt!

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Abfahrt zur Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Um die nördliche Zufahrt zur Hochalpenstraße zu erreichen, muss man nach Fusch. Diesen kleinen Ort kurz vor der Mautstelle erreicht man über verschiedene Routen. Ich fahre über Kufstein, Pass Thurn und Mittersill vorbei an Zell am See.

In Mittersill mache ich eine Pause, genieße das schöne Wetter und gönne ich mir eine kleine Stärkung bei Sonnenschein und warmen 20°. Etwas schneller erreicht man Fusch übrigens auf der kürzeren Route über Walchsee, Kössen, Lofer und Zell am See. Blickt man aus dem Fenster, kann man die spektakulären Berglandschaften wenige Kilometer südlich von hier nur erahnen.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Kurz vor Mittersill auf dem Weg zur Großglockner Hochalpenstraße am Pass Thurn (Foto: Hanns Gröner)
Großglockner Hochalpenstraße - Mittersill (Foto: Hanns Gröner)
Pause in Mittersill auf dem Weg zur Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Gestärkt geht es auf der gut ausgebauten Landstraße weiter über Zell am See nach Fusch.


Die Hochalpenstraße

kann man in drei Segemente teilen. Im Norden liegt der Abschnitt zwischen der Mautstelle Ferleiten, dem Fuscher Törl und der Passhöhe Hochtor auf 2.504m. Hier verläuft auch die Grenze zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten.

Ab der Passhöhe am Hochtor beginnt der südliche Teil. Ab hier sind es noch gut 15 Kilometer bis nach Heilgenblut. Den Großglockner sieht man nur, wenn man nach etwa 7 Kilometern den Kreisverkehr an der ersten Ausfahrt verlässt und hinauf fährt zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe.

Der dritte Teil der Straße – die Gletscherstraße – führt auf knapp 8 Kilometer vom Kreisverkehr hinauf zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe. Sie ist der eigentliche Höhepunkt und das Ziel wenn man den Großglockner sehen und erleben möchte.

Anders als viele Passstraßen ist die Hochalpenstraße sehr breit und so gut ausgebaut, dass sie auch von Bussen, Wohnmobilen und sogar Gespannen befahren werden kann. Sie hat offiziell eine Länge von 48 Kilometern und eröffnet den Blick auf 30 Dreitausender. 14 Gasthöfe und Almen laden zum Verweilen ein.


Der nördliche Teil

Ich erreiche die Zufahrt zur Hochalpenstraße gegen 13:30 Uhr und kurz danach die Mautstelle bei Ferleiten. Ab dort erwarten mich spannende 48 Kilometer hochalpines Bergstraßenerlebnis.

Zwischen Fusch und Ferleiten gibt es Einkehrmöglichkeiten, Unterkünfte sowie einen Campingplatz. Die Straße mündet direkt in die Mautsstraße. 37 Euro kostet ein Tagesticket für PKW oder Motorräder (Stand 2020). Fahrräder dürfen die Maustelle rechts neben dem Infopoint kostenlos passieren.

Kurz vor 14 Uhr passiere ich die Mautstelle. Toll: es herrscht kaum Verkehr. Auf der Fahrt hinauf zum Fuscher Törl überhole ich den einen oder anderen Radfahrer und nutze die vielen Haltemöglichkeiten an der Straße zum Fotografieren oder einfach um den Ausblick zu genießen. Sehr viele Radler kommen mir dabei entgegen. Meist mit dem Rennrad aber auch mit Mountain- oder E-Bikes.

So allmählich überschreite ich die Baumgrenze. Immer neue Blicke auf die spannende Bergkulisse links und rechts der Straße tun sich auf. Und vor Murmeltieren wird gewarnt. Aber nicht weil sie so gefährlich sind sondern hier und da die Straße queren könnten.

Großglockner (Foto: Hanns Gröner)
Haus Alpine Naturschau auf 2.260m an der Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Auf 2.428m erreiche ich das Fuscher Törl. Es gilt als der schönste Fotostandort der Nordseite. Ein paar Meter weiter oben befindet sich das Ziel der Zeitmessstrecke für Radfahrer, die an ihrer persönlichen Bestzeit arbeiten oder sich mit anderen messen wollen. Wer noch nicht genug Höhenmeter hinter sich hat, der kann – mit dem Fahrrad, Motorrad oder dem Auto – bis ganz hinauf zur Edelweißspitze fahren. Von hier aus hat man einen fantastischen Rundblick – wenn es das Wetter erlaubt.

Die Kopfsteinstraße hinauf zur Edelweißspitze ist ein Erlebnis für sich. Sie ist zur Seite hin gut abgesichert aber deutlich schmaler als die Hochalpenstraße. Ob man sie tatsächlich in 4 Minuten – wie Google Maps es in Aussicht stellt – fahren kann, weiß ich nicht und würde ich persönlich auch nicht ausprobieren. Die Straße ist doch deutlich enger als die Hochalpenstraße, hat enge kehren und führt doch auf schwindelerregende Höhe.

Durch zwei Tunnels und meterhohe Schneewände hindurch fahre ich weiter zum Hochtor auf 2.504m. Ab hier habe ich das Bundesland Salzburg hinter mir gelassen und bin jetzt in Kärnten.


Der südliche Teil

Ab dem Hochtor geht es weiter in Richtung Gletscherstraße sowie hinunter ins Tal nach Heiligenblut.

Die Wetterlage hier oben kann sich schnell ändern. Vom blauen Himmel mit Quellwolken ist nicht mehr viel übrig. Inzwischen ist es etwa halb vier, kalt und unwirtlich. Entsprechend wenig Betrieb herrscht nun auch. Es wird langsam einsam hier am Berg. Toll für den, der es mag.


Gletscherstraße

Vom Hochtor fahre ich also in Richtung Heiligenblut. Den Kreisverkehr verlasse ich an der ersten Ausfahrt um hinauf zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe zu fahren.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Großglockner Hochalpenstraße – an diesem Kreisverkehr zweigt man ab zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe (Foto: Hanns Gröner)

Da ich auf dieser Fahrt mehr Zeit in dieser einmaligen Umgebung verbringen möchte, habe ich mir in der Nähe der Kaiser-Franz-Josef-Höhe ein Zimmer genommen. Diese ist von meiner Unterkunft im Restaurant Kaiser Franz-Josef-Haus in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Das Besucherzentrum mit Parkhaus an der Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Hier oben gibt es keine langen „Ladenöffnungszeiten“. Die Ausstellungen schließen gegen 17 Uhr. Besonders interessiert mich der Film „Alpi“ von Armin Linke. Dieser zeigt verschiedene Eindrücke rund um das Leben am Berg in einer besonderen Art und Weise. Ruhige Einstellungen, keine schnellen Schnitte, nur wenig Erklärtext. Dafür minutenlange Impressionen mit durchaus politischem Inhalt, deren Komposition mir aber mehr oder weniger willkürlich erscheinen.

Trailer zu „Alpi“ von Armin Linke zu sehen im Besucherzentrum am Großglockner

Die Luft ist dünn und kalt. So langsam beginnt die Abendstimmung. In der Nähe meines Zimmers stelle ich meine Kamera auf ein Stativ um die Wolken rund um den Großglocknergipfel zu beoachten. Genauer gesagt, um einen Blick zu erhaschen, wenn die Wolken diesen doch noch freigeben. Und ich hatte Glück!

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Großglockner Hochalpenstraße mit dem Großglocknergipfel (Foto: Hanns Gröner)

Auf Bildern lässt sich dieser gewaltige und hohe Berg nur kaum beschreiben. Am besten man erlebt ihn selbst. Von hier oben aus lässt sich der Gipfel in gut sechs Stunden erreichen – Erfahrung, Übung und entsprechende Ausrüstung natürlich vorausgesetzt.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
So kann die Expedition beginnen – im Parkhaus an der Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Mein Zimmer befindet sich nahe der kleinen Straße hinauf zum Bergrestaurant. Hier ist um diese Zeit nichts mehr los. Nur noch wenige Übernachtungsgäste sind noch hier oben. Es herrscht eine angenehme Ruhe. Auch Essen gibt es hier nur bis etwa 19:30 oder 20:00 – je nach Lokal. Eine gute Stunde habe ich aber um die zeitaufwändige Zeitrafferaufnahme zu erstellen.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Zeitrafferaufnahme an der Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)

Am nächsten Tag

Ich genieße mein Frühstück bei einmaligem Blick auf den Gipfel. Und das Wetter hält was die Vorhersage versprochen hat: strahlend blauer Himmel. Dank der Sonnenstrahlen ist es auch am frühen Vormittag wesentlich angenehmer als am Vorabend.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Frühstück mit Blick auf den Großglockner (Foto: Hanns Gröner)

So langsam erwacht das Leben hier oben. Die ersten Biker – ob mit oder ohne Motor – sowie Ausflügler kommen an. Ich wandere hinüber zur Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte und mache mich auf die Suche nach Steinböcken und Murmeltieren. Erstere sehe ich leider nicht. Murmeltiere, lerne ich, haben hier die Scheu vor den Menschen ablegt und posieren gerne für ein leckeres Futter.

In Heiligenblut endet meine Tour zum Großglockner. Von hier fahre ich weiter in Richtung Süden – Ziel zu dieser Zeit noch unbekannt. Ich werde berichten.

Großglockner Hochalpenstraße (Foto: Hanns Gröner)
Großglockner Hochalpenstraße – Heiligenblut mit Wallfahrtskirche und Großglockner (Foto: Hanns Gröner)

Tipps

1. Die Hochglockner Hochalpenstraße ist eine attraktive Alternative zu Brenner- oder Tauernautobahn. Einfach mal ausprobieren. Wichtig: genügend Zeit mitnehmen!

2. Nehmt Euch einen Tag extra Zeit und bleibt für eine Nacht am Berg. Unterkünfte findet Ihr auf der Homepage des Straßenbetreibers (Link). Achtung: die Betriebe sind etwas versteckt auf drei Seiten (Nord, Süd, Gletscherstraße) gelistet.


Danke

Ich bedanke mich bei der Großglockner Hochaplenstraßen AG sowie dem Panaromarestaurant & Kaiser Franz Josef Haus & Panoramarestaurant für die freundliche Unterstützung ohne die dieser Beitrag nicht entstehen könnte.

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