Bergfilm-Festival Tegernsee 2017

Es gibt diese Anlässe, die einen aufmerken lassen, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist. Für die einen ist es Weihnachten, für andere die Wies’n. Für mich ist es inzwischen das jährlich im Oktober stattfindende Bergfilmfestival Tegernsee.

Das Festival

Berfilmfestival Tegernsee 2017 Abschlussabend
Berfilmfestival Tegernsee 2017 Abschlussabend – Preisträger und Jury (Foto: Hanns Gröner)

Es bestätigt sich jedes Jahr auf’s Neue: das Bergfilmfestival Tegernsee ist eines der Top Highlights in der Region und weit darüber hinaus! Wer zum Bergfilmfestival nach Tegernsee kommt, erlebt faszinierende Bilder, bewegende  Geschichten und authentische Protagonisten. So ließe sich das Bergfilmfestival in wenigen Worten beschreiben.

Das Ambiente ist dabei eher beschaulich als überlaufen, die Moderation durch Michael Pause charmant, professionell und mit gefühlt jahrzehntelanger Bergerfahrung. Seit vielen Jahren besuche ich das Bergfilmfestival mindestens zum Eröffnungs- oder Abschlussabend. Und jedes Jahr bin ich ein Stück mehr begeistert, wenn sich der Saal langsam verdunkelt und auf der großen Leinwand zum Teil schier unglaubliche Geschichten verpackt in fast noch unglaublicheren Bildern, rund um die Bergwelt aller Herren Länder zu sehen sind.

Story, Story, Story

Als langjähriger Filmemacher, der meist im Bereich des deutlich weniger spektakulären Genres Unternehmensfilm zu Hause war, sehe ich die Filme durchaus differenziert. Schöne, großartige Bilder sind für Kameraleute, Filmemacher oder Fotografen natürlich von größter Bedeutung. Aber im Genre des Bergfilms geht es um mehr. In fast ein wenig technisch anmutende und nur bei genauem Hinschauen unterschiedliche Kategorien heißt das in Tegernsee dann „Lebensraum Berg“, „Naturraum Berg“ und „Erlebnisraum Berg“.

Doch diese Begriffe lassen nur im ersten Moment auf ähnliche Inhalte schließen. Tatsächlich bieten Sie genau den Raum, den die unterschiedlichsten „Stories rund um den Berg“ benötigen:

Für viele Sportler ist der Berg erst einmal ihr Erlebensraum. Für Menschen, die in den Bergen leben – sei es müssen oder dürfen -, ist es der Lebensraum und für die oftmals unbeschreiblich beeindruckende Pflanzen- und Tierwelt ist es der Naturraum. So könnte zumindest ein Deutungsversuch ausfallen.

Der Zuschauer erlebt bewegendes, irritierendes, ergreifendes.

Das große Spektakel ist meist den Filmen rund um den Erlebensraum Berg vorbehalten. Extremes Bergsteigen, Klettern, Höhlenforschen oder Base Jumping und vieles mehr. Das Ganze in den atemberaubenden Bergwelten Patagoniens, im Himalaya oder in Neuseeland.

Die ergreifenden Geschichten bietet der Lebensraum Berg. Hier geht es um entlegenste Dörfer und Entfernungen, die deren Bewohner zum Teil nur in kurzen Saisonabschnitten bewältigen können oder die schwere Arbeit, die in verschiedensten „Berufen“ am Berg zu verrichten ist.

Der Naturraum Berg bietet Raum für seltene Tier- und Pflanzenarten, spektakuläre Lichtstimmungen und atemberaubende Bergkulisse.

Die Eindrücke in Worten beschreiben zu wollen ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Gennu deshalb freue ich mich schon heute auf das nächste Bergfilmfestival in Tegernsee.

Höhepunkte 2017

Das diesjährige 15. Bergfilmfestival Tegernsee musste ohne seinen am 12. September verstorbenen, langjährigen Schirmherren und Mitbegründer Dr. Heiner Geißler auskommen. Noch im letzten Jahr hielt Dr. Geißler eine bewegende Rede über den Wert von Erlebnissen am Berg für den Menschen und die Bevölkerung. An diese Rede erinnert auch ein Nachruf der Festivalleitung (siehe weiter unten in diesem Beitrag). Ich möchte an dieser Stelle noch einmal an ein Interview mit Dr. Heiner Geißler aus dem Jahr 2012 erinnern.

Einer der bewegendsten Filme in diesem Jahr war die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seinem letzten „Sprung“ den Ausstieg aus einer Spirale fand, die für viele Gleichgesinnte mit dem Tod endete. Last Exit. Im Film erzählen die Mutter und die Freundin des Base Jumpers wie es Ihnen geht mit der „Leidenschaft“ des jungen Extremsportlers. Auch er selbst erzählt was ihn immer wieder antreibt Sprung für Sprung sein Leben auf’s Spiel zu setzen.

Bergfilmfestival Tegernsee 2017 - Preis "Last Exit" (Foto: Hanns Gröner)
Bergfilmfestival Tegernsee 2017 – Preis „Last Exit“ (Foto: Hanns Gröner)

Der Film zeigt faszinierende Bilder – viele Jahrzehnte nachdem die Menschen zu glauben begannen, sie müssten fliegen. Fast surreal mutet es darin an, wie die Basejumper in ihren Wingsuits durch die Luft schweben. Nein: dies hier ist ausdrücklich KEINE WERBUNG für diese Art von Sport. Denn keine Mutter der Welt wird verstehen wollen, dass und warum „ihr Kind“ sich einer solchen Sache hingibt… Ein bewegender Moment, wenn das Licht im Saal wieder hell wird und der Protagonist dieser Dokumentation zur Preisverleihung auf der Bühne steht…

Berfilmfestival Tegernsee 2017 Abschlussabend - Auszeichnung "Last Exit" (Foto: Hanns Gröner)
Berfilmfestival Tegernsee 2017 Abschlussabend – Auszeichnung „Last Exit“ (Foto: Hanns Gröner)

Siegerfilme (Auszug)

PREIS DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS

„Last Exit“

Begründung der Jury:

„Der Film stellt die Frage nach den Motiven für Basejumping und andere Extremsportarten von hohem Risiko. Ein junger Basejumper sieht die Zwanghaftigkeit seines Tuns und beschließt aufzuhören mit einem Sport, der so viele Todesopfer fordert. Er erkennt seine Verantwortung gegenüber sich selbst, seiner Familie und seinen Freunden. In sieben Minuten überzeugend dargestellt.“


GROSSER PREIS DER STADT TEGERNSEE

„Still Alive – Drama am Mount Kenya“

Begründung der Jury:

„Der Film ist eine geglückte Komposition von wertvollem Archivmaterial, eindrücklichen Zeugenberichten zweier überlebender Alpinisten und nachgespielten Szenen. Die Geschichte einer Rettungsaktion am Mount Kenya wird in einer schnörkellosen Dramaturgie erzählt. Der Verzicht auf hohes Pathos, Heldentum am Berg und Sensationsbilder macht den Film von Anfang bis Ende glaubwürdig und ergreifend.“

„Erfrischend anders: Gute Idee statt großem Budget. Kein Heroismus. Sportliche Spitzenleistung, die aber nicht die erste Geige spielt. Unterhaltend und witzig.“


NACHWUCHSPREIS

„A mord´s Sauhaufen in an z´kloan Zelt“

Begründung der Jury:

„Erfrischend anders: Gute Idee statt großem Budget. Kein Heroismus. Sportliche Spitzenleistung, die aber nicht die erste Geige spielt. Unterhaltend und witzig.“


Nachruf Dr. Heiner Geißler

Wenn am Ende ein Lächeln bleibt

Am 12. September ist Heiner Geißler, der Schirmherr des Bergfilm-Festival Tegernsee im Alter von 87 Jahren gestorben.

„Wenn dem Menschen am Ende seines Lebens ein Lächeln übrig bleibt, so ist das ein sehr anständiger Reingewinn.“ Es sind nicht nur seine stets treffenden, einprägsamen Worte, die fehlen werden – beim Bergfilm-Festival Tegernsee hinterlässt Heiner Geißler eine große Lücke: Als Schirmherr, aber vor allem als Mensch und Freund.


Als der damalige Bürgermeister Peter Janssen mit Otto Guggenbichler und Festival-Direktor Michael Pause vor 15 Jahren das erste Bergfilm-Festival auf die Beine stellten, musste Janssen seinen Freund Heiner Geißler nicht lange bitten: Als begeisterter Bergsteiger und Gleitschirmflieger erklärte der sich trotz übervollem Terminkalender sofort bereit, die Schirmherrschaft zu übernehmen – nicht nur auf dem Papier. Geißlers Auftritte waren stets Glanzlichter des Bergfilm-Festivals, so wie zuletzt im vergangenen Oktober, bei der Preisverleihung. Wohl keiner, der damals im Saal war, hat vergessen, wie er die Frage in den Raum stellte, „ob das Bruttosozialprodukt tatsächlich das Entscheidende im Leben“ sei. Und fortfuhr“: „Es spiegelt nicht die Bedeutung der Natur für das Heranwachsen der Kinder wider, misst nicht den Mut und die Kühnheit der Bergsteiger und geht über die Schönheit der Blumen auf den Bergwiesen hinweg.“ Eindringliche Rede, keine hohlen Phrasen, das war eines seiner Markenzeichen.
„Seine Reisen nach Tegernsee waren nie kurze Pflichtbesuche, sondern es war ihm erkennbar ein Herzensbedürfnis, sich hier unter die Familie der Bergfreunde und Filmemacher zu mischen“, erinnert sich Michael Pause. Vor allem mit Peter Janssen, der heute dem Förderverein Bergfilmfreunde Tegernsee vorsteht, war Heiner Geißler in tiefer Freundschaft verbunden. „Es ging ihm nicht um Ruhm und Ehre. Sondern immer nur darum, ob er gebraucht wird“, betont Janssen.
Als ihn ein Radioreporter bei seinem letzten Tegernsee-Besuch 2016 fragte, was denn seine letzte gute Tat gewesen sei, antwortete Geißler mit einem Schmunzeln: „Dass ich hierher nach Tegernsee gefahren bin, als Schirmherr für das Bergfilm-Festival.“ – Danke, Heiner Geißler!

Quelle: http://www.bergfilm-tegernsee.de/2017/09/15/nachruf-dr-heiner-geissler/


2017 Preisträger und Jury Begründungen

LOBENDE ERWÄHNUNGEN:

 „Dirtbag: The Legend of Fred Beckey“ von Dave O‘Leske (USA)

Auf humorvolle Weise wird uns das wilde Leben einer legendären Figur des amerikanischen Bergsteigens nahegebracht. Fred Beckey klettert noch mit 93.

Sloboda pod nákladom – Freedom under Load“ von Pavol Barabáš (Slowakei)

Ein Bergberuf in der hohen Tatra, von dem die meisten Menschen nichts wissen: Männer tragen schwerste Lasten über schwindelerregende Steige zu den Berghütten. Bewegende Interviews und ausgezeichnet gefilmt.

„Dhaulagiri – Ascenso al la montaňa blanca“ von Cristián Harbaruk und Guillermo Glass (Argentinien)

Eine handfeste Auseinandersetzung mit einem tragischen Unglück am Berg. Ein Film, der viele Fragen zu Träumen, Freundschaften und Risiko im Alpinismus aufwirft, gestellt in eindringlichen Bildern.

 Symphony on Skis“ von Carla Braun-Elwert (Neuseeland)

Zwei junge Frauen durchqueren die Gletscher Neuseelands von Meer zu Meer. Sie folgen der Route in Erinnerung an ihren verstorbenen Vater, der die Durchquerung einst als Bergführer in Rekordzeit schaffte. Sehenswerte Montage von Archivmaterial und faszinierenden Landschaftsbildern.

NACHWUCHSPREIS:

„A mords Sauhaufen in a z’kloan Zelt“ von Simon Platzer, Johannes Hoffmann und Jakob Schweighofer (Österreich)

Erfrischend anders: Gute Idee statt großem Budget. Kein Heroismus. Sportliche Spitzenleistung, die aber nicht die erste Geige spielt. Unterhaltend und witzig.

BESTER FILM DER KATEGORIE LEBENSRAUM BERG:

„Becoming who I was“ von Chang-Yong Moon und Jin Jeon (Südkorea)

„Becoming who I was“ öffnet eine Tür zu einer fremden Kultur und Religion, der Film geht aber weit darüber hinaus. Er symbolisiert elementare Werte, indem er in starken und ruhigen Bildern zeigt, wie Zuneigung und Vertrauen zwischen zwei Menschen wachsen können. Die Story ist so bewegend erzählt, dass man unsicher ist, ob es sich um Dokumentation oder Fiktion handelt, – für die Jury ein Zeichen von hoher Qualität.

BESTER FILM DER KATEGORIE NATURRAUM BERG:

„Dessine-mois und chamois“ von Véronique, Anne und Erik Lapied (Frankreich)

Der Zuschauer sieht das Hochgebirge mit den Augen eines kleinen Jungen. Der Film ist also nicht nur Naturbeobachtung, sondern zeigt auch, welche Rolle die Erfahrung der Bergwelt im Leben des Kindes spielt. Die starken Bilder von Wildtieren und Landschaften prägen sein langsames Erwachsenwerden. Ein Naturfilm, der auch eine geglückte Story erzählt.

PREIS DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS FÜR DEN BESTEN ALPINFILM DER KATEGORIE ERLEBNISRAUM BERG:

„Last Exit“ von Puria Ravahi (Deutschland)

 Der Film stellt die Frage nach den Motiven für Basejumping und andere Extremsportarten von hohem Risiko. Ein junger Basejumper sieht die Zwanghaftigkeit seines Tuns und beschließt aufzuhören mit einem Sport, der so viele Todesopfer fordert. Er erkennt seine Verantwortung gegenüber sich selbst, seiner Familie und seinen Freunden. In sieben Minuten überzeugend dargestellt.

GROSSER PREIS DER STADT TEGERNSEE:

„Still Alive – Drama am Mount Kenya“ von Reinhold Messner (Österreich)

Der Film ist eine geglückte Komposition von wertvollem Archivmaterial, eindrücklichen Zeugenberichten zweier überlebender Alpinisten und nachgespielten Szenen. Die Geschichte einer Rettungsaktion am Mount Kenya wird in einer schnörkellosen Dramaturgie erzählt. Der Verzicht auf hohes Pathos, Heldentum am Berg und Sensationsbilder macht den Film von Anfang bis Ende glaubwürdig und ergreifend.

Quelle: Pressemitteilungen des Veranstalters


2016 Preisträger und Jury Begründungen

LOBENDE ERWÄHNUNG:

„Afghan Winter“ (Fulvio Mariani und Mario Casella)

Die Schweizer Filmemacher Fulvio Mariani und Mario Casella begeben sich als Dokumentaristen durch das kriegsgeschundene Afghanistan – eine bedächtig anmutende Reise auf Ski an bislang unterbelichtete Orte und Winkel des Landes, wo sich die schnellen Fernsehkameras gewöhnlich nicht hinwagen. Ihre Wege sind kaum planbar, für die Beobachter viel Neuland unterm Fuß; immer wieder stossen sie an Grenzen. Unterwegs fangen sie Geschichten von Bewohnern des Landes am Hindukusch und ihre heutigen Lebensbedingungen ein – in sensibel komponierten Bildern, mit wenig Kommentar und viel Raum für das eigene Miterleben. Eine Reise-Reportage im besten Sinne des Wortes, die nach Fortsetzung ruft.

„In Between“ (Rolf Steinmann)

Dieser Film ist ein poetisches Gemälde. Er spielt in einer unwirklichen Szenerie. Archaisch anmutende Moschusochsen stehen vermeintlich für die Ewigkeit. Die Reduktion auf das Wesentliche erspart der Jury mehr Worte.

SONDERPREIS DER JURY:

„Metronomic“ (Vladimir Cellier)

Die Frage, “Wieso macht man sowas?” wird beim Bergsport zu oft gestellt.
Es hat uns gefreut, einen Film zu sehen, der diese Frage in den Abgrund wirft – er stellt sie nämlich umgekehrt: wieso macht man sowas nicht? Der Jury Preis geht an einen Film, der ein Erlebnis ist. Er ist kreativ, völlig unerwartet, humorvoll und abenteuerlich. Ausserdem hat er was, was alle anderen Filme nicht haben – einen „Flying Drummer“!

NACHWUCHS PREIS:

„Simply the Worst“ (Franz Müller und Johannes Kürschner)

Wir geben diesen Preis nicht an den „besten” Film dieser Kategorie – auch wenn sein Titel anderes vermuten lässt: Simply the Worst. Wir haben gelacht und fast geweint als wir durch Schmutz und Spaß auf einen wilden “Road Trip in die Vergangenheit“ mitgerisssen wurden. Der Film zeigt, dass die neue Generation von Filmemachern nicht immer von einer neuen Welt inspiriert ist. An Kreativität fehlt es keinesfalls – sie findet sich sogar auf der Ebene der Untertitel.

Der Nachwuchspreis geht an zwei junge Filmemacher, die hoffentlich in der Zwischenzeit etwas gesünder leben – denn wir hoffen auf ein nächstes Werk!

BESTER FILM DER KATEGORIE LEBENSRAUM BERG:

„Drawing the Tiger“ (Amy Benson und Scott Squire)

„Das Dorfleben ist hart. Das Stadtleben ist einsam.“ Das sagt ein junger Mann im Film „Drawing the Tiger“ von Amy Benson und Scott Squire. Er ist aus einem Bergdorf in Nepal in die Hauptstadt Kathmandu gezogen und hilft seiner Schwester Shanta, die studieren und damit die Familie aus der Armut befreien soll. Den Filmerinnen gelingt es, in liebevollen Portraits einen intimen Einblick in den Alltag zu geben ohne je voyeuristisch zu sein. Im Gegenteil: Mit sorgfältig gewählten Bildern und mit Behutsamkeit zeichnen sie das Leben einer Familie, die versucht, ihrer Perspektivlosigkeit zu entkommen. Die über sieben Jahre dauernde Langzeitbeobachtung einer zerrissenen Welt hat die Jury beeindruckt.

BESTER FILM DER KATEGORIE NATURRAUM BERG:

„Jumbo Wild“ (Nick Waggoner)

Der Film hat die Jury wegen seiner differenzierten Darstellung der Pläne und Aktionen für und wider ein touristisches Resort im Gebiet des Jumbo Gletschers in British Columbia üerzeugt. Die Bemühungen, ein Wintersportzentrum inmitten einer unberührten Natur zu errichten, die seit Beginn der Neunzigerjahre laufen, und die Versuche, das Vorhaben zu verhindern, werden durch eine genaue Recherche, eingehende Interviews mit den Entscheidungsträgern und Akteuren beider Interessensgruppen sowie durch den Versuch, ihre jeweiligen Motivationen zu ergründen, eindrücklich gezeigt, ohne je in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Die Haltung des Autors Nick Waggoner bleibt dabei stets transparent.

 

PREIS DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS FÜR DEN BESTEN ALPINFILM
DER KATEGORIE ERLEBNISRAUM BERG:

„K2 – Touching the Sky“ (Eliza Kubarska)

1986 verloren 13 Menschen am zweithöchsten Berg der Welt ihr Leben. Darunter waren auch Mütter und Väter. 30 Jahre später geht die Filmautorin Eliza Kubarska mit den Kindern dieser Mütter und Väter an den Fuss dieses Berges. Die inzwischen längst erwachsenen Töchter und Söhne erzählen davon, was die Leidenschaft ihrer Eltern und ihr Tod am Berg mit ihnen gemacht hat.

Wo hört die Selbstbestimmung auf und wo fängt die Verantwortung gegenüber der Familie an? Was ist Verfolgung einer Leidenschaft und was ist Egoismus? Was heisst es, wenn man sich gekränkt fühlt, weil die Berge wichtiger sind als man selbst? Der Film lotet diese Fragen in einer Art und Weise aus, die nie urteilend oder moralisierend ist, sondern immer differenziert und empathisch.

Die Autorin kommt den Söhnen und Töchtern der verunglückten Bergsteiger nahe. Sie erzählt gleichzeitig das Leben der Eltern, indem sie historisches Filmmaterial der Expeditionen der 80er Jahre geschickt mit dem neu gedrehten Material verwebt. Keine Drohnenflüge, keine Verklärung und Überhöhung der Berge – passend zum Filmthema bleibt die Kamera am Boden und zeigt die Schönheit des Baltoro-Gebiets aus der Perspektive der trekkenden Kinder.

Die Jury findet den polnischen Film „K2 – Touching the Sky“ eine sehr gelungene filmische Umsetzung eines zwar immer wieder aufgebrachten, aber selten in dieser Tiefe behandelten Themas.

GROSSER PREIS DER STADT TEGERNSEE:

„Verso l’ignoto“ – Ins Unbekannte (Federico Santini und Roberto Dall’Angelo)

Packend, authentisch, hautnah und echt. In diesem Versuch, den Nanga Parbat erstmals im Winter über die Diamir-Flanke auf Mummerys Spuren zu besteigen, geben die Filmemacher Federico Santini und Roberto Dall’Angelo Einblick in die Gefählswelt des Extrembergsteigers Daniele Nardi. Ohne zu überzeichnen, ohne künstliches Dramatisieren, gefilmt mit einfachsten Mitteln. Im Gegensatz dazu steht der physisch wie psychisch fast unmenschlich anmutende Einsatz des Protagonisten. Er kommt hier unmittelbar und unverfälscht über die Leinwand. Eine ungeschminkte Darstellung, die das sogenannte Scheitern am Berg in einer selten erzählten Ehrlichkeit zeigt.

 

Quelle: Pressemitteilungen des Veranstalters


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