Bergfilm-Festival Tegernsee 2018

Eröffnungsabend

Zur Eröffnung des Festivals werden im Barocksaal des Gymnasiums Tegernsee drei Filme gezeigt. Ein Trickfilm von Igansi López, die Erstaufführung des neuesten Filmes von Thomas Huber und ein Film über die erste Besteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff von Reinhold Messner. Stargast des Abends war Thomas Huber, der seinen neuen – erst kurz vor der Vorstellung fertig gestellten Film – dem Publikum zu präsentierte.

Bergfilm-Festival Tegernsee 2018 (Foto: Hanns Gröner)
Thomas Huber und Michael Pause bei am Eröffnungsabend des Bergfilm-Festival Tegernsee 2018 (Foto: Hanns Gröner)

Über die Kameramänner am Berg sagte er, „diese wären gar nicht dort, wenn sie nicht selbst hervorragende Bergsteiger und Kletterer wären“. Denn sie schaffen es immer wieder, die Protagonisten aus unterschiedlichen Perspektiven in Aktion zu zeigen. Dafür müssen die Kameramänner oft schon vor diesen am Berg sein um die Szenen von oben filmen zu können. Ein Aspekt, der mir persönlich bei der ganzen Bergfilmerei immer wieder zu kurz kommt. Daher finde ich es toll, dass Thomas Huber dies einmal ausdrücklich hervorgehoben hat.

Die Filme:

„Viacruxis“

Ein Animationsfilm von Ignasi López, der Spannung mit Humor geschickt verbindet und dem Publikum auch Einblicke in das Leben in der Wand gewährt, die dem Publikum für gewöhnlich vorborgen bleiben.

„Reiss di zsamm! Geduldsprobe am Cerro Kishtwar“

Der Film wurde erst wenige Stunden vor seiner Erstaufführung im Barocksaal des Tegernseer Gymnasiums fertig gestellt. Mit rund 30 Minuten ist er etwas länger als im Programmheft angekündigt (18 Minuten).

„Mount Everest – Der letzte Schritt“

Der Film von Reinhold Messner zeigt – eingebettet in den Dokumentarfilm von Leo Dickinson – die erste Besteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff im Jahr 1978. In Interviews schildern die Protagonisten Peter Habeler und Reinhold Messner detailliert und nachvollziehbar die besonderen Herausforderungen und dramatischen Momente dieser Expedition. Gefühlt hat man das Thema Mount Everest und seine Besteigung inzwischen zig Mal und häufig genug gesehen; dennoch ist der Film gut gemacht, sehr informativ und sehenswert. Ein Trailer war zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht öffentlich zugänglich.

Abschlussabend

Der Abschlussabend, geplanter Beginn dieses Jahr schon um 19 Uhr, beginnt mit etwas Verspätung und entwickelt sich zu dem was er jedes Jahr ist: ein stimmungsvoller Abend voller ungeahnter Geschichten aus den Bergen. Toll: man sieht einen Querschnitt der preisgekrönten Filme. Darunter äußerst bewegende, zum Teil fast lähmende Geschichten wie die Aussiedlung und Vertreibung der Bewohner des Dorfes Graun am Reschenstausee oder der tödliche Sturz eines Wildheuer in der Schweiz. Filme, die Geschichten des Lebens auf filmisch unspektakuläre Weise erzählen und unter die Haut gehen. Sie hier nachzuerzählen würde jeden Rahmen sprengen. Nur eines ist zu sagen: einfach dabei sein und diese Filme ansehen! Es lohnt sich. Jedes Jahr wieder.

Matinée am Sonntag

Das versunkene Dorf

Tief beeindruckt unter anderem von den Filmen „Die Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee“ und „Das versunkene Dorf“ beschließe ich noch am Samstagnacht mir diese Filme in voller Länge am Sonntag in der Matinée anzusehen. Dies ist, wenn man so will, der Nachteil des Abschlussabends: man sieht tolle Filme und faszinierende Bilder oder Geschichten. Aber nicht den ganzen Film und damit auch nicht das Ende dieser Filme. Also, auf zur Matinée.

Der Film ist absolut sehenswert – vor allem wenn man wichtige Teile der Geschichte Südtirols besser verstehen möchte. Dies kommt im Trailer zu wenig rüber wird im Film aber sehr gut erzählt.

Die Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee

Die Geschichte um das Leben der Familie von Axiger Sepp ist in einer besonderen Form schön, traurig und tief bewegend. Um den tragischen Tod des Landwirts, das eigentliche Drama für die Familie, geht es dabei fast nur am Rande. Der Film gibt eindrucksvoll und ohne jede Effekthascherei Einblicke in die Strapazen des Lebens einer Landwirtsfamilie in steilen Hängen über dem felsigen Abgrund.

The Dawn Wall (durch die Wand)

Dieser Film erzählt die Geschichte der Kletterer Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson. Wer sich mit Filmen um die Kletterei befasst, sieht immer wieder mal Filme, die das fast unglaublich scheinende Erklettern des El Capitan zeigen. Irgendwann aber wird aber auch das für das Auge zur Gewohnheit. So zeigt der Film im Grunde zwei Geschichten. Das Erklettern des El Capitan unter schwierigsten Bedingungen. Und ein fast für unmöglich zu haltendes Entkommen aus einer Entführung durch Rebellen in Kirgisistan. Der Film schafft es diese beiden Geschichten zu Einer zusammenzufügen.

Wildes Deutschland – Das Erzgebirge

Ob es die schweren Geschichten der sehr emotionalen Filme sind oder die vielen Stunden im dunklen Kinosaal – irgendwie tut es auch gut, schöne Bilder mit Informationen rund um die Natur zu sehen. Der Film „Wildes Deutschland – Das Erzgebirge“ erzählt mit spektakulären Naturaufnahmen aus den Lebensräumen der Wasserspitzmaus, des Falken und anderen Spezies.

Und das gibt es (fast nur) am Tegernsee: man trifft den einen oder anderen Macher dieser tollen Filme, die ihren Fans gerne Rede und Antwort stehen…

Zum Abschluss

Weiß ich schon heute, dass es auch kommendes Jahr wieder eine Herausforderung sein wird, das Festival in den Terminkalender zu integrieren. Aber wie immer nehme ich mir fest vor, so viele Filme wie möglich zu sehen. Ja, das Festival ist etwas für Kenner. Aber es ist auch etwas für den ganz normal am Leben teilhabenden und interessierten Bürger, dem sich das Leben in den Bergen im Alltag so ganz und gar nicht erschließt. Das Festival kann, wenn man sich nur mehrere Filme ansieht, eine Reise durch die ganze Welt abbilden – und das an einem einzigen Ort.

Weiterführende Links und Pressemitteilungen

Links:

Link zum Beitrag zum Bergfilm-Festival Tegernsee 2017

Link zur Homepage der Veranstaltung

Pressemitteilungen:

Bergfilm Tegernsee, 16. Internationales Festival vom 17. – 21. Oktober 2018

Wenn die weite Welt auf Tegernsee trifft …

Packende Bilder, volle Säle und ein begeistertes Publikum: Das Bergfilm-Festival Tegernsee legte am Mittwoch einen Traumstart hin. Star des Abends war Thomas Huber, der seinen brandneuen Film mitgebracht hatte. Eine Weltpremiere, die beeindruckte, und ein Programm, das die Berge wieder in ein neues Licht rückte.

„So ehrlich hab ich das selten gesehen, Hut ab“, zustimmendes Nicken der anderen. Der neue Film von Thomas Huber kam an, wohl auch aufgrund der sympathischen Offenheit im Gespräch mit Festival-Direktor Michael Pause bei der Eröffnung des Festivals im Barocksaal. Es ging ums Scheitern – und um das Glück, doch noch oben anzukommen. Egal wo. Im Fokus standen Höchstleistungen, vollbracht von liebenswerten Zeichentrickhelden, den Kletterkünstlern am Cerro Kishtwar und von Bergsteigerlegenden wie Reinhold Messner und Peter Habeler. Intensive Geschichten und eindrucksvolle Bilder, die die Zuschauer auch noch nach 23 Uhr faszinierten.
Die Berge als Erlebnisraum, als Kulisse für atemberaubende Leistungen, das ist die eine Seite des Festivals. Doch nicht weniger Aufmerksamkeit genießt das Gebirge als Lebensraum, als Naturraum. Seien es die Menschen, die hoch oben Nischen finden, um ihren Lebensweg zu gehen oder einfach das fortzuführen, was mutige Vorfahren einst begonnen haben. Oder die Tiere, die sich mit dem gleichen unbändigen Willen in der Bergwelt behaupten. Eher leise Filme, die genauso „gut ankommen“, wie die der spektakulären sportlichen Leistungen.

„Die Landschaft bleibt bestehen“, zitierte Michael Pause bei der Eröffnung den Protagonisten des Films „Land des Winds“, „aber das Licht ändert sich und wiederholt sich niemals.“ Ähnlich sei es auch beim Festival, spannte Michael Pause den Bogen, „denn in unseren Filmen geht es immer um den Berg und die Berge – das Beständige -, und doch wiederholt sich dank der Kreativität der Filmemacher nichts.“ Neue Perspektiven und ungewohnte Gedanken, mutige Autoren und überraschende Geschichten. „Wenn die weite Welt auf Tegernsee trifft“, wie es die mehrfach ausgezeichnete Filmemacherin und Kamerafrau Susan Gluth von der Jury ausdrückte, ist und bleibt das Thema Bergfilm spannend. Das zeigte sich am Eröffnungsabend in den fünf Kinosälen, bei spannenden Begegnungen zwischen Publikum, Filmemachern und Bergbegeisterten – und natürlich beim Blick ins weitere Programm.

Info und Programm:

Sonderbüro Bergfilm-Festival Tegernsee, Tel. 08022/1801-37 od. 53, bergfilm@tegernsee.de, oder über Tourist-Information

Kartenvorverkauf: Tourist-Information Tegernsee, Tel. +49(0)8022-92738 – 60; tegernsee@tegernsee.com und im Internet unterwww.bergfilm-tegernsee.de oder http://www.muenchenticket.de.

Im Programmheft und im Internet sind alle Filme sowie das Rahmenprogramm detailliert beschrieben.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Vielen Dank für den umfangreichen Bericht über das Tegernseer Bergfilm-Festival. Wir hoffen, dass alle nächstes Jahr zum Festival kommen, die diesen Superbericht gesehen und gelesen haben.

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